20. Februar 2026·2 Min. Lesezeit

Warum nutzerzentriertes Design den Unterschied macht

In diesem Artikel erkläre ich, warum der konsequente Fokus auf echte Nutzer – und nicht auf Annahmen – der entscheidende Faktor zwischen gutem und großartigem UX Design ist.

UX DesignUser ResearchMethodik

Der häufigste Fehler in UX-Projekten

In meiner Erfahrung als Senior UX Designer ist das größte Problem in vielen Projekten nicht der Mangel an Kreativität oder technischem Können – es ist der Mangel an echtem Nutzerverständnis.

Teams entwerfen Interfaces basierend auf eigenen Annahmen, Stakeholder-Wünschen und Best Practices aus dem Internet. Das Ergebnis? Produkte, die technisch funktionieren, aber niemand wirklich nutzen möchte.

Was nutzerzentriertes Design wirklich bedeutet

Nutzerzentriertes Design (User-Centered Design, UCD) ist kein Buzzword. Es ist ein strukturierter Prozess, der echte Menschen in jede Phase der Produktentwicklung einbindet:

  1. Research: Wer sind unsere Nutzer? Was sind ihre Ziele, Bedürfnisse, Frustrationspunkte?
  2. Definition: Was sind die eigentlichen Probleme, die wir lösen müssen?
  3. Ideation: Wie können wir diese Probleme lösen?
  4. Prototyping: Wie sehen mögliche Lösungen aus?
  5. Testing: Funktionieren diese Lösungen für echte Nutzer?

Der entscheidende Unterschied zu anderen Ansätzen: Nutzer sind nicht nur Empfänger des fertigen Produkts – sie sind aktive Teilnehmer im Designprozess.

Ein konkretes Beispiel aus meiner Praxis

Bei der Arbeit an OK.PERS+, einer Personalverwaltungssoftware für öffentliche Verwaltungen, hatte das Team anfangs klare Annahmen über die Probleme der Nutzer: Die Oberfläche war "zu alt" und "nicht modern genug".

Nach fünf Tiefeninterviews mit Personalsachbearbeiterinnen zeigte sich ein ganz anderes Bild. Das eigentliche Problem war nicht das visuelle Design – es war die fehlende Struktur der Navigation. Nutzer mussten durchschnittlich 4-6 Klicks machen, um häufige Aufgaben zu erledigen.

Die Lösung: Eine task-basierte Navigation, die nach den häufigsten Arbeitsabläufen der Nutzer strukturiert war – nicht nach den internen Modulen des Systems.

Das Ergebnis: 25% weniger Fehler bei der Dateneingabe, 4.2/5 Zufriedenheit (vorher 2.8/5).

Warum viele Teams diesen Ansatz scheuen

Nutzerzentriertes Design erfordert Zeit und Ressourcen:

  • Nutzerrecherche ist aufwendig
  • Iterative Prozesse fühlen sich langsam an
  • Ergebnisse sind manchmal unbequem (die eigenen Annahmen sind falsch)

Aber die Alternative ist teurer: Ein Produkt, das niemand nutzt, oder eines, das nach Launch aufwendig überarbeitet werden muss.

Mein Fazit

Nutzerzentriertes Design ist keine optionale Methodik. Es ist der Unterschied zwischen Produkten, die echte Probleme lösen, und solchen, die nur technisch beeindruckend sind.

Der wichtigste Grundsatz: Du bist nicht dein Nutzer. Sprich mit echten Menschen. Beobachte sie. Teste deine Annahmen. Immer wieder.


Enrico Reinsdorf ist Senior UX Designer und CPUX-F zertifiziert. Er arbeitet an der Schnittstelle von Nutzerforschung, Design und Technologie.