Der gescannte Text 1


Fast jeder professionelle Website-Ersteller weiß, dass die Texte für das Web anderen Regeln unterworfen sind als die der Printmedien. Aber oft bekomme ich mit wie einfach der fertiger Text aus einer Broschüre genommen wird und in die HTML-Seite kopiert wird. Oft mit der Begründung, dass die Texte ja von einem professionellen Texter erstellt worden sind. Warum sollte man trotzdem die Texte mediengerecht aufbereiten?

Internetbenutzer sind meist auf der Suche nach Informationen. Sie haben dabei aber nur sehr wenig Zeit. Deshalb scannen sie die HTML-Seite nur nach wichtigen Schlagwörtern. Vergleichbar ist das mit dem Betrachten eines Plakates beim Vorbeifahren und zwar auf der Autobahn.


Dieser Artikel richtet sich besonders an die Redakteure von Websites, denn meistens wird der Text nicht vom Webdesigner oder -entwickler geschrieben sondern vom Kunden bzw. von einem Mitarbeiter des Kunden. Klar versucht man als Auftragnehmer erstmal die Texte zu überarbeiten also mediengerecht aufzubereiten, aber später, gerade bei einem CMS, ist das Sache des Kunden selbst.

Schreibstil & Wortwahl

Wählen sie ihren Schreibstil mit Bedacht. Nichts ist schlimmer als die falsche Wahl der Worte. Es sollte klar sein, dass ein Text für eine Klassik-Website eine andere Zielgruppe hat, als die von einer Jugendzeitschrift. Und deshalb sollte auch der Schreibstil dem angepasst sein. Aber wie kann man nun den Stil der Zielgruppe herausfinden? Am besten versucht man sich in die Situation der Zielgruppe hineinzuversetzen. Das gelingt am besten in dem man sich mit Zeitungen und Zeitschriften der Zielgruppe besorgt. Auch hilft es immer wieder Sendungen im Fernsehen bzw. im Radio zu verfolgen. Nach einer relativ kurzen Zeit bekommt man ein gutes Gespür für die richtigen Worte.

Doch aufgepasst, wenn man sich nicht genau in dem Metier auskennt merken das die Leser recht schnell. Dann lieber jemanden Fragen der aus der Szene kommt oder einen neutralen Stil benutzen.

Leser sind Suchmaschinen

Ähnlich wie eine Suchmaschine die Text nach Schlüsselworten absucht, machen das die Leser auch. Wenn der Leser also die HTML-Seite scannt, dann sucht er nach Wörtern die zu seiner Suchen passen. Ein kleines Beispiel: Geht man im Internet auf die Suche nach einem guten Sommerurlaub, dann sind Worte wie Reise, Urlaub, Sonne aber auch exclusiv, billig, allinclusive wohl am ehesten passend.

Wenn diese Worte dann auch noch möglichst früh im Text erscheinen ist die Chance dass der Betrachter weiterliest sehr hoch und das wollen wir doch eigentlich erreichen oder? Um solche Begriff im Text noch etwas mehr an Bedeutung gewinnen zu lassen, kann man sie zusätzlich entweder fett oder kursiv erscheinen lassen. Dann fallen sie noch mehr auf und Suchmaschinen finden diese Worte auch noch bedeutender. In diesem Zusammenhang sind auch Auflistungen sehr praktisch. Sie vermitteln in einer schnellen Übersicht alles wichtige.

Satzbau

Ich weiß zwar dass ich dazu neige ellenlange Sätze zu bilden. Und ich weiß auch dass das Falsch ist und nicht dem entspricht was ich hier gleich schreiben werden. Aber…

Das Lesen am Bildschirm ist sehr anstrengend und man sollte deshalb sich möglichst kurz halten. Das beinhaltet natürlich auch die Länge des Satzes selbst. Je kürzer der Satz ist um so einfacher kann er gelesen werden. Hinzu kommt noch, dass er dadurch auch verständlicher wird. Um z.B. die Verständlichkeit eines Text zu ermitteln gibt es den Lesbarkeitsindex von Rudolf Flesch und über einen kleinen Test kann man relativ gut heraus finden für welches Niveau der Text geschrieben ist.

Der kurz Einstieg

Jeder Text (Aufsatz) den wir schreiben hat einen klaren Aufbau. Einleitung, Hauptteil und zum Schluss eine Zusammenfassung. Bei Texten für das Internet sollte man aber so nicht unbedingt schreiben, denn dann würde man erst alles lesen müssen um das Ergebnis des Textes zu bekommen. So viel Zeit habe leider nur sehr Wenige die im Internet etwas suchen. Deshalb sollte man den Aufbau in etwa umkehren. Als erstes sollte man mit einer Zusammenfassung des Inhaltes beginnen und dann diese Zusammenfassung erklären. Die Leser im Internet wollen immer erst wissen um was es geht um dann genaueres zu erfahren. Aber selbst bei der ausführlichen Erklärung der einleitenden Zusammenfassung sollte man sich kurz halten. Steve Krug, einer der führenden Uability-Experten, schrieb in seinem Buch „Don’t make me think! Web Usability: Das intuitive Web“ folgendes: Streichen Sie die Hälfte der Wörter auf jeder Seite, und kürzen Sie dann den Rest um die Hälfte. Ein recht wahre Aussage finde ich.

Was gehört nur alles in eines Text und was nicht. Am besten versuchen sie die wichtigsten W-Fragen zu beantworten: wer, was, wie, wann, wo, warum und aufblähende Füllworte wie: schon, übrigens, also, noch, demnach zu vermeiden.

lebendig schreiben & positive Gefühle wecken

Auch hier bin ich nicht unbedingt der Beste. Mit dem lebendigen Schreiben ist vor allem das Vermeiden eines Passives gemeint. Schreiben sie lieber in einer aktiven Form. Man sollte eher dem Leser direkt ansprechen, z.B. „drücke hier um den Download zu starten“. Auch helfen konkreten Beispielen, die in der Vergangenheit passiert sind, dem Leser besser sich in das Geschehen hineinzuversetzen. Bei einer Referenzliste könnten z.B. Zitate von zufriedenen Kunden neben den Projekten stehen. Dadurch wirken die Beispiele lebendiger und näher. Zugleich bekommt der Besucher der Website ein positiveres Gefühl beim Lesen, was oft zu einer glaubwürdigeren Darstellung der gesamten Website verhilft.


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